Meine Lieben und Guten
Hatte diese Nacht wieder einen Albtraum, muss ich euch erzählen:
Wir sind in Flugzeug-Cockpit, schlimmes Wetter, Gewitter. Da sagt der Co-Pilot: "Käptn, wir haben ernste Probleme und die Passagiere werden unruhig!"
Der Pilot antwortet: "Aber weshalb denn? Wir fliegen doch!"
"Aber wir befinden uns im Sturzflug!! Und das Kerosin geht uns aus!"
Pilot überlegt kurz, meint dann: "Solange wir Luft unter den Flügeln haben, sehe ich keinen Grund zur Beunruhigung. Aber ich verstehe, dass ich das den Passagieren besser kommunizieren sollte!"
Darauf der fassungslose Co-Pilot: "Sie beklagen sich auch, dass sie nicht wissen, wohin uns der Flug führt!"
"Na, das ist doch wohl klar!" ist die Antwort.
"Ja, jetzt schon....", murmelt sein Kollege und versucht verzweifelt, das Flugzeug zu retten.
"Es gibt eben auch diese Terroristen, die Flugzeuge entführen. Die jagen den Leuten grosse Angst ein."
"Aber wir sind doch gar nicht entführt worden! Oder sehen Sie jemanden im Cockpit ausser uns Beiden, Sir?" (lustig, 'Sir' heisst bei uns Käse)
Der Pilot steht auf: "Ich geh jetzt mal nach hinten und lobe die Passagiere, wie gut sie fliegen können..."
"Vielleicht sollten sie zuerst Ihre Augenbinde abnehmen, Käse...eh, Sir. Sonst leidet das Vertrauen in Sie", unterbricht ihn der andere.
"...und die Triebwerke machen ihre Arbeit ausgezeichnet. Ich finde, mit der Miesmacherei soll es nun genug sein! Schliesslich ist unser Flug hier sehr gut angelaufen. Man muss einfach die Leute direkter und basisnäher informieren, deshalb geh ich jetzt nach hinten und erzähl denen mal, was Sache ist. Das sind doch alles nur Missverständnisse und Irrtümer, nicht, spanische und chinesische...oder potemkinsche?" Bei diesem Wort kann man ihn kaum verstehen. "Ach, ich weiss doch auch nicht..." Er schwankt zur Türe.
"Okay, Sir, lassen Sie aber besser Ihr halbvolles Glas hier, sonst merken die Leute, dass Sie es immer mehr leeren. Ach ja, Sie dürfen auch nicht überrascht sein, wenn nur noch wenige Passagiere da sind."
"Weshalb denn, wo sind denn die anderen, die mit uns gestartet sind?", dreht sich der Pilot fragend um.
"Die sind in den Frachtraum hinab gestiegen und geben sich als Gepäcksstücke aus, Sir."
"Aber wieso denn?"
"Sie hoffen so den Absturz besser zu überste......ahhh, NEIIIINNNNN - - -
Ich erwachte schweissgebadet.
Man sollte ja dreckige Wäsche nicht in Öffentlichkeit waschen. Was aber, wenn man sonst nirgends Waschmittel bekommt? Oder wenn der Besitzer des Waschküchenschlüssels diesen nicht rausrücken will? Jebiga!
Da gab es doch letztes Jahr diese Umfrage (konnte leider nicht mitmachen, hatte einfach zu viel zu tun). Anfang Jahr erschien dann in so einem Heftli ein Kommentar zu den Resultaten, und zwar unter dem Titel "Das gute Gefühl, etwas Sinnvolles zu leisten."
"...nimmt ab", müsste man vielleicht für Biz und Bizzeli ergänzen (oder stammen die schlechten Zahlen von den anderen Biz?). Und auch die Freude an der Arbeit hat abgenommen, um fast 10 Prozent, aber bleiben wir bei ganzer Kanton: Die Leute, welche Umfrage gemacht haben, waren positiv überrascht, weil "die Resultate der Personalbefragung 2006 fast durchs Band weg besser ausgefallen sind als 2001." Einige Schwarzmahler (Ausdruck kommt von verbotenen Kaffeemaschinen und -mühlen auf Stockwerken) aber ahnten schon, dass das nur halbe Wahrheit für B37 ist. Oder nur Hälfte von Hälfte. Oder sogar noch weniger?
Jetzt wurden mir aus vertraulicher Quelle die Resultate eurer Antworten zugespielt. Uiii!!
Vergleichen wir mal: Die Gesamtzufriedenheit im Kanton ist seit 2001 um 2 Punkte gestiegen. Nicht im Biz und Bizzeli, hier ist sie um 8 Punkte gesunken...olà!
Bei 14 Themen gab es 12 Mal eine Verschlechterung. (Nur bei einem Punkt wurde Verbesserung gesehen und ein anderer ist gleich geblieben).
Das sieht ja dann so aus:
| Thema |
Veränderung in Prozentpunkten seit 2001 |
| Arbeitszufriedenheit |
-8 |
| Anteil progressiv zufriedene Mitarbeitende |
-16 |
| Arbeitsinhalt |
-5 |
| Zusammenarbeit / Klima |
-5 |
| Partizipation |
-9 |
| Entlöhnung |
-6 |
| Information / Kommunikation |
-5 |
| Sachkompetenz Vorgesetzte |
-1 |
| MAG |
-8 |
| Umgang der Vorgesetzten mit Veränderungen |
-4 |
| Attraktivität Kanton |
-1 |
Und nun zu den Verbesserungen: |
|
| Flexibilität Arbeitszeit |
+6 |
Was mir auch aufgefallen ist, sind so einzelne Fragen: Wichtige Entscheidungen beeinflussen oder reibungslose Abläufe? -10 Punkte (also ich mache verstopfe Abläufe immer frei). Eigenen Standpunkt einbringen, Freude bei der Arbeit? Beide -9 Punkte. Über Ziele / Vorgänge und Entscheidungen von Biz und Bizzeli informiert? Minus 9 / 11 Prozentpunkte.
Gut, Lohn ist ja wirklich zu tief, war mir auch schon vorher klar. Vielleicht wird einfach Geld für Falsches ausgegeben? Miete, Computer...? (Kann es halt nicht beurteilen, da ich nicht-informiert bin.)
Zweckmässiger Einsatz des Geldes? Uiii: -14 Prozentpunkte!! Klar ist das nicht gut für Vertrauen in Leitung: -13 Punkte. Und über meinen NEFfen sprechen wir erst gar nicht. Der ist ja noch so klein. Was ich aber nicht verstehe, dass Eindruck, es sind genügend Mitarbeitende vorhanden, um 13 Punkte zugenommen hat? Liegt das daran, dass man bei manchen nicht so genau weiss, was sie eigentlich so tun?
Immerhin kann man jetzt Arbeitszeit besser einteilen. Hab ich mit meinen Kindern auch gemerkt. Wenn wir schon dabei sind: Nataša hat mal Verbesserungen und Verschlechterungen in Antworten gezählt und meinte dann: "Also wenn jeden Tag eine Frage gestellt würde, ob es besser geht oder schlechter, dann wär's den ganzen Frühling hindurch schlechter. Und auch den ganzen Sommer lang wär's düster. Auch im Herbst würde es nicht besser gehen. Nur im Winter würdet ihr euch ein bisschen besser fühlen."
Finde das kein so gutes Beispiel, habe aber nichts gesagt, denn Nataša glaubt immer noch fest daran, dass der Winter wiederkommt.
Was meint jetzt Schef Majestix dazu? Wär doch noch wichtig, oder nicht?
"Wenn ich ... vergleiche, stelle ich in einigem Übereinstimmendes, im manchem aber auch Abweichendes zur kantonalen Personalbefragung fest", schreibt er da in einem Brief. Ja, man merkt, dass Majestix an der Uni war, hat sofort gemerkt, dass Bezeichnung "durchs Band" gleich ist, nur das Vorzeichen ist anders. Ganz schwierig zu verstehen, ist dann für mich: "Es ist nicht so, dass bei fast allen Themen eine deutliche Verbesserung gegenüber den Ergebnissen der letzten Personalbefragung festgestellt werden könnte, im Gegenteil."
Hö? Šta misli za tim– was bitte meint er damit?
"Nicht so bei fast allen, im Gegenteil"? Ich glaube, das ist halt Statistik korrekt interpretiert, hat er so gelernt im Studium. Und: "festgestellt werden könnte"? Ja, stellt er jetzt fest oder möchte er möglicherweise doch nicht?
Unerwünschte Partizipation...
Schef kommt dann zu den Fakten: "beklagt wird aber der Mangel an Einbezug und Information" (Es werden zwar noch viele andere Dinge beklagt, aber immerhin...) Jetzt müsst ihr genau schauen, was im nächsten Satz mit "Einbezug" passiert: "Die allgemeine Information und Kommunikation in der BSLB schneidet also nicht so gut ab." Und – schwupp! - Einbezug ist weg. Als ich das meinem Mann vorgelesen habe, schmunzelte er und meinte: „Jetzt bekommt ihr sicher neue Hörgeräte!“ So falsch war die Bemerkung gar nicht, doch dazu später.
(Nur nebenbei: Es haben 20 Leute weniger mitgemacht bei der Umfrage als 2001. Es ist aber nicht so, dass fast alle Leute vom Bizzeli nicht hätten mitmachen dürfen, ganz im Gegenteil.)
Aber zuerst: Ich würde mich ja fragen, ob ich meinen Job schlecht gemacht, schlecht geputzt habe, wenn ich solche Rückmeldungen bekomme. Vielleicht würde ich mich aber auch herausreden, sagen, dass es gar nicht so dreckig ist, dass das alles nur "Irrtümer und Missverständnisse" sind, basierend auf Fehl-, Falsch- und Nicht-Information (aus welchem Kommunikationskurs stammt denn dieser budalaštinja – banale Stuss?). Und dass es ein Naturgesetz ist, dass wenn mehr Dreck produziert wird, mehr liegen bleibt, würde ich sagen. Und dass mir unter diesen Rahmenbedingungen (das Wort gefällt mir) das Putzen sehr gut gelungen ist. Und schliesslich würde ich auf die veränderten Organisations- und Führungsformen verweisen, die meine Arbeit behindern, zum Beispiel zwei Schefs, wo's vorher nur einen gab.
...und verordnete Ordnung
Zum Schluss seines Briefes denkt Schnäuzelchen doch an Massnahmen (also nicht für "Einbezug", der wurde ja ersatzlos gestrichen). Also, zuerst was bleibt: "Neben den vorgegebenen Abläufen [entstopft?] über die hierarchischen Stufen [Lift nehmen?]....", blablabla, "...sollte vermehrt auf direktere und basisnähere Art, z. B. im Newsletter informiert werden." Also doch: Hörgeräte!
Sehr schön, Einbezug gestrichen und aus Kommunikation wurde Information (Lehrmittel dazu: "Akademisch in 30 Tagen - Vom Sender zum Empfänger, aber nix zurück"). Also mal abgesehen von den anderen zirka 10 Themenblöcken, wo sich Befindlichkeiten auch verschlechtert haben, ist das eine Lösung? Himmel, man sagt ja, dass Studieren nicht so viel bringt, aber das ist wirklich gar nicht viel!
Der Wille ist aber da, oder etwa doch nicht ganz? "Das Anliegen ist berechtigt [nur eines?], es ist mir ein Bedürfnis, ihm in Zukunft im Rahmen des Möglichen besser entsprechen zu können." Dem Anliegen entsprechen zu können oder gar zu wollen? Hoffe, dass er nicht nur seinen persönlichen Türrahmen meint, sonst fällt er wieder vom Schild...
Der Projektleiter der Personalumfrage kennt andere Mittel, um die Zufriedenheit zu steigern, gerade in zentralen Bereichen wie Arbeitsinhalt, Arbeitsklima und Partizipation: "Mehr Wertschätzung, das offene Ansprechen von Problemen oder das Delegieren von Entscheidkompetenzen." Was man machen kann, wenn das Vertrauen ausgewandert ist, steht nicht.
"Du-u?", fragt da mein Kleinster, "Weiss der überhaupt, wie ein Fussball aussieht oder ist er etwa blind? Weshalb nehmt ihr nicht einfach einen neuen Trainer?"
Aber er stellt die Fragen dem falschen Koffer.
V.